Der Jugendstil
der sogenannte neurumänische Stil
Hier wird noch die Stadtbaustruktur behandelt, die von der nahen morgenländischen Welt geerbt wurde, weder ihre Lebensweise, sondern die Errungenschaften der sogenannten neurumänischen Architektur am Ende des 19. und Anfang des 20. Jhs., die sich der internationalen Strömung des Jugendstils anpassen.
Die westeuropäischen Hauptvertreter dieser in Belgien entstandenen Strömung waren Guimard, Gaudi und Horta.
Diese Strömung entstand als Reaktion auf die inästhetischen Erzeugnisse, die die Industrialisierung ins Leben rief, und gegen die den Neuklassizismus und die Neugotik nachahmenden Strömungen.
Es ist die Blütezeit der von der Natur inspirierten Kurven und Arabesken, ohne dass sie sie nachahmen, der Gebäude aus Glas und Metall, des Mosaiks und der Keramik. Die handwerklichen Kunsttechniken sind wieder da und schaffen einmalige Werke, indem sie die morgenländischen Kunstthemen verwenden, die durch die Entwicklung der Kommunikationsmittel dem Abendland schneller zugänglich werden...
Es ist die Zeit der großen christlichen Bewegungen und der missionarischen Expeditionen durch die Welt. Die Zeitschrift „L´Illustration" berichtet eingehend über das tragische Ende der nach China geschickten Missionare aber man beginnt zugleich, Kunstgegenstände einzuführen, die in den westeuropäischen Hauptstädten viel zu bewundert wurden und die Mode der „Chinoiserie" auslösten. Eine der berühmten Sammlerinnen wird Sarah Bernhardt sein, die auch auf der Bukarester Bühne spielte.
Diese Epoche wurde tatsächlich von der Entdeckung der Üppigkeit der morgenländischen Verzierungen und von der Qualität der sagenhaften morgenländischen Lebensweise stark beeinflusst. Daraus entsteht eine neue Inspirationsquelle für die Kunst.
Die hohen Baukosten machen leider diese Bauten zu Luxuserzeugnissen, ganz im Gegensatz zum ursprünglichen utopischen Gedanken, das Schöne in den Alltag zu bringen. Der Art Deco-Stil der 20er und 30er wird schnell seine Einfachheit durchsetzen ... und seine niedrigen Kosten. Das wird der Untergang dieser erstaunlichen Bewegung sein, die sich nach Europa und nach Amerika bis nach Argentinien und China verbreitete.
In Rumänien existierte schon früher diese Architekturströmung, zur Zeit von Constantin Brancoveanu und es ist kein Wunder, dass man manche Kennzeichen übernehmen wird, die vielen Kriterien der Neuen Architektur entsprachen.
Neurumänisch bezeichnet einen Überrest dieser alten rumänischen Kunst, so wie neoklassisch auf einen vorangehenden klassischen Stil zurüchführt, der im Abendland als Bruch mit der Vergangenheit vorkam aber in Rumänien im Zusammenhang mit der Tradition stehen konnte.
Seit der Epoche von Constantin Brancoveanu wurden die Stilkennzeichen des 17. Jhs. erhalten. Um der Gebäude des 19. Jhs. zu gedenken, werden wir folgende vor der Zeit des Jugendstils entstandene Gebäude erwähnen, die wichtige neurumänische Elemente enthalten :
1833 - 1834 : Der Palast Sutu (Bratianu-Boulevard, in der Art von Elisabeta-Boulevard)
Es ist nicht die Rede von einem Gebäude des Jugendstils sondern der Gotik. Wir erwähnen es hier, weil es Elemente rumänischen Stils enthält, die in diesen geschichtlichen Zusammenhang gehören.
Heutzutage ist es das Geschichtsmuseum der Stadt Bukarest.
1839 : Der Palast Cotroceni
Architekt : Paul Gottereau (Franzose)
Der ursprüngliche Palast stammt aus der Zeit von Constantin Brancoveanu und in den Grundmauern des Palastes wurden ihre Elemente erhalten und es ist kein Wunder, dass das Gebäude Elemente des romanischen Stils enthält, die harmonisch die alten Teile ergänzen.
Zur Zeit des Jugendstils kannte die Architektur ihre Blütezeit. Viele der rumänischen Architekten haben in Paris studiert oder wurden von den europäischen Architekten ausgebildet, die diese Strömung hochpriesen. Sie haben einen originellen Stil erfinden können, der sich in den geschichtlichen Zusammenhang integrierte. Aber dort wie überall setzte sich die Bewegung des Jugendstils der monotonen Massenproduktion der Industrie entgegen.
Außer den aufgezeichneten Gebäuden begegnen wir überall in Bukarest Privatgbäuden im Jugendstil, die bis in unserer Zeit gebaut wurden und einen durch die Tradition von Bestand gewordenen Stil verewigen, ganz im Gegenteil von dem, was in Europa passiert ist. Das hat aber die Entwicklung der avantgardistischen Stile in Bukarest nicht verhindert.